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Kassel, Mai 2010
Unser Verein - die ACT - ist stolze 162 Jahre alt!
Im HBV werden wir als ACT Kassel geführt, das ist eigentlich falsch, da durch unsere Abkürzung „ACT“ bereits deutlich wird, dass wir ein Casseler Verein sind! Historisch gesehen, sind wir einer der ältesten Vereine, sowohl in Kassel als auch in Hessen. Ein Hanauer Turner und Mitbegründer der Hanauer Turngemeinde von 1837, der Seifensieder Christian Reul, verfolgte nach seiner Übersiedlung nach Kassel sofort den Plan, einen Turnverein ins Leben zu rufen, was dann, gegen viele politisch motivierten Widerstände, 1848 im Rahmen der März-Revolution endlich gelang. Verfolgt man die wechselhafte Geschichte, so bringt das Jahr 1943 die größte Katastrophe. Mit der Bombardierung Kassels werden auch die vereinseigene Sporthalle und das Vereinsheim total zerstört. Doch 1951 war ein Teil der Halle, dank der unermüdlichen Turner, wieder aufgebaut.
57 Jahre Basketball!
1953 wird zum 1. Mal von Basketballern berichtet, unsere Abteilung feiert dieses Jahr also das 57jährige Bestehen.
Die Basketballabteilung ist, neben den Leichtathleten, zum sportlichen Aushängeschild der ACT geworden und zählt 258 Mitglieder. Während 1957 von zwei aktiven Herrenmannschaften berichtet wird, so laufen inzwischen fünf Herrenteams auf. Die 1. Mannschaft spielt in der Oberliga, mit dem langfristigen Ziel, wieder in die Regionalliga aufzusteigen, aus der vor drei Jahren ein sportlicher Abstieg nicht aufzuhalten war. Grundsätzlich wird kein Spieler bezahlt, was dazu führt, dass wir dauerhaft daran arbeiten, die eigene Jugend sportlich fit zu machen, um diese in die höheren Ligen zu integrieren. Wir versuchen jedes Jahr mit männlichen Jugendteams in der Oberliga zu spielen, was wir bisher auch stets mit unterschiedlichen sportlichen Erfolgen erreicht haben. Hüseyin Eser erreichte 1997 mit seinem B-Jugendteam die Dt. Meisterschaft, im Jahr 2000 wurde unsere A-Jugend mit ihm Hessenmeister. 1998 wurde ihm von der Lehr- und Trainerkommission der Titel: „Jugendtrainer des Jahres“ als Auszeichnung für seine vielfältigen sportlichen Erfolge als Jugendtrainer überreicht. 2007 gelang der männl. U 20 wieder die Teilnahme an der Hessenmeisterschaft, da das Team den 3. Platz in der Oberliga ergattert hatte. Mit dem 2008 gelungenen Aufstieg unseres 2. Herrenteams in die Landesliga, ist ein wichtiges Ziel erreicht worden, die sportliche Qualität unserer Mannschaften zu stärken. Eine der drei Kreisligamannschaften, unsere 5. Herren, weisen als Besonderheit auf, dass sie als China-Team auflaufen. Diese Mannschaft besteht ausschließlich aus chinesischen Studenten, unser polnischer Trainer des Teams hat allerdings noch so seine Verständigungsprobleme.
Die Chronik sagt auch einiges aus zu unseren Damenmannschaften: 1957/58 wurde der erste Versuch unternommen, eine Damenmannschaft am Leben zu erhalten. Leider fristete der Damenbasketball ein Mauerblümchendasein und verschwand schnell wieder, nachdem der Initiator, Gustav Vaupel, zur Bundeswehr einberufen worden war. In den späteren Jahren verließ der Damenbasketball in der ACT sein Mauerblümchendasein, die 1. Mannschaft spielte jahrelang in der Regionalliga Südwest/Nord. Die Seniorinnen II wurden nach dem Hessenmeister 1999 auch Südwestdt. Meister und erhielten so das Teilnahmerecht an den Dt. Meisterschaften. Aus der weiblichen Jugend hat Andrea Harder den Sprung ins A-National-Team geschafft und dort bis 2007 aktiv gespielt. Mehrere Spielerinnen wechselten in die 2. Bundesliga z.B. nach Göttingen, Mainz, Kronberg und Rist-Wedel oder ins College in den USA (Marion Kühn). Nach dem Abstieg in die Oberliga 2006 folgte keine Meldung der ACT für eine weitere Saison in der Damen-Oberliga, da nicht genügend Nachwuchs vorhanden war und ist. Am Nachwuchsmangel im weiblichen Bereich leiden wir bis heute. Der aktuelle Spielerinnenkader ist deshalb so klein, da neben familienplanerischen Aspekten eine dauerhafte studienbedingte Fluktuation vorhanden ist. Die nachwachsende weibliche Jugend benötigt noch viel Zeit und vor allem intensives Training, um in die Schuhe des aktuellen Landesligateams schlüpfen zu können.
Wir haben aber als erster Verein für die weibliche U 16/18 den vom Landessportbund 2008 ausgelobten Migrantinnenpreis erhalten, da wir eine Mischung von Spielerinnen aus Kasachstan, Kroatien, Bosnien, Afrika, der Türkei und Deutschland als Team stellen, was auch für uns ein Novum im weiblichen Bereich ist.
Seit 1997 findet jeden Freitag Abend (22.30 – 01.30 Uhr) der Midnight-Basketball in Kooperation mit dem Verein „komma e.V.“ statt, der sich u.a. um Drogenprävention kümmert. Das Motto: „Der Gewalt einen Korb geben“ ist meiner Ansicht nach gut gewählt und bringt die Absicht zum friedlichen Miteinander, vor allem in sozialen Brennpunkten und vor dem Hintergrund der kulturellen Vielfalt zum Ausdruck. Komma e.V. stellt die Sozialarbeiter, wir den sportlichen Betreuer, die Stadt Kassel die Sporthalle zur Verfügung.
Die Formung von Teams mit einem hohen Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist sehr anspruchsvoll, aber gut, wenn sie gelingt, andrerseits sind auch viele Probleme damit verbunden. Wir leiden ständig unter „Geldnot“, da sich der Transport der Jugendlichen zu den Spielen als außerordentlich kostenintensiv erweist. Es mangelt an privaten Autos und Fahrern, die zur Verfügung gestellt werden könnten. Oft fehlt auch das Geld, den Vereinsbeitrag zu bezahlen. In vielen Fällen ist das Konto nicht gedeckt, so dass es zu Rückbuchungen, die den Verein finanziell stark belasten, kommt. Unsere größte Sorge ist, dass wir keinen Vereinsbus (Neunsitzer) besitzen, mit dem wir die Jugendlichen transportieren können.
Wege entstehen erst beim Gehen !
Um Wege zu gehen, die hilfreich sind, haben wir bereits einiges in die Praxis umgesetzt, anderes ist in Planung.
1) Assoziation von Gruppen, die Basketball spielen, aber nicht aktiv am Spielbetrieb teilnehmen. Hierzu gehören zur Zeit die Gruppen der Firma WINGAS und der Kasseler Sparkasse.
2) Hospitationsmodell: Um die Qualität vor allem im Jugendbereich zu verbessern, besetzen wir die Trainingsgruppen mit jeweils einem erfahrenen, ausgebildeten Trainer und einem Jugendlichen, der die Trainerausbildung anstrebt. Für die neue Trainerausbildung, die im August in unserem Bezirk stattfindet, haben wir sieben Kandidaten angemeldet, die sich der Ausbildung und der Prüfung stellen wollen. Das Hospitationsmodell ist bezüglich unserer Schiedsrichter erweitert worden. Die neuen E-Schiedsrichter werden stärker als bisher von unseren erfahrenen Schiedsrichtern beim „Pfeifen“ beobachtet und beraten.
3) Weiterqualifikation bereits ausgebildeter Trainer: Andreas Tobisch will in diesem Jahr die B- und Marion Kühn die A-Trainerausbildung angehen.
4) Kaderausbildung für Jugendliche: Da im Kasseler Bezirk bisher kein E-Kader existiert, transportieren wir die Kinder und Jugendlichen, wenn es zeitlich möglich ist, zu dem Kader in den Gießener Bezirk. Abhilfe soll geschaffen werden, indem für unseren Bezirk die Einrichtung eines E-Kaders geplant ist.
5) Kooperation Verein und Schule: Bisher besteht eine Zusammenarbeit mit vier Schulen. Die Kooperation soll in Zukunft verstärkt und vor allem erweitert werden. Bewährt hat sich der sog. „Sportliche Wandertag“, an dem wir Klassen einer Schule mit ihren Sportlehrern eingeladen und mit der Hilfe unserer Trainer, Stationen aufgebaut und sportlich betreut haben. Drei Basketball- AGs an verschiedenen Schulen werden von ACT-Trainern geleitet. In diesem Zusammenhang denken wir auch über die Schaffung einer sog. Basis- Trainerstelle nach.
6) Öffentlichkeitsarbeit: Neben den Veröffentlichungen unserer Aktivitäten in der örtlichen Presse und dem „Dauerauftrag Sponsorensuche“ bewährt sich zur Zeit unsere Internetseite, die dankenswerterweise aktuell gepflegt wird. Also schaut einfach rein, was wir noch so alles im Sinne unseres Basketballsports tun und vorhaben.
Ilse Kühn (Abteilungsleiterin ACT seit 1994)
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